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Potenzialabschätzung

Die Ansatzpunkte zur Erschließung von Energieeffizienzpotenzialen im Rechenzentrum sind vielfältig. Die erfolgreiche Nutzung dieser Potenziale führt,  je nach Ausgangszustand, zu erheblichen Energiekosteneinsparungen.

Bevor - möglicherweise kostenintensive - Projekte gestartet werden, sollten Sie anhand von Kenngrößen Ihr eigenes Rechenzentrum hinsichtlich der Energieeffizienz bewerten und die erreichbaren Einsparungen abschätzen. Im Folgenden werden wesentliche Kenngrößen dargestellt, die Ihnen zum einen eine erste Einschätzung für Ihr Rechenzentrum ermöglichen und zum anderen auch die Verbesserung über die Zeit dokumentiert.

1. Der Stromverbrauch des Rechenzentrums

Ein Punkt der bei jeder Maßnahme zur Steigerung der Energieeffizienz zentrale Bedeutung hat ist der Stromverbrauch. Neben der Ermittlung der Stromkosten Ihres Rechenzentrums ermöglicht er direkt einen Überblick über den Erfolg der umgesetzten Effizienzmaßnahmen.

Im Idealfall verfügt Ihr Rechenzentrum über einen fest installierten Zähler. Erkundigen Sie sich bei der Haustechnik über die Daten. Falls kein gesonderter Zähler vorhanden ist, prüfen Sie die Möglichkeit ein separates Gerät einbauen zu lassen. Bei kleinen Rechenzentren mit wenigen Servern bietet sich für eine erste Einschätzung auch ein Strommessgerät für die Steckdose an. Für umfangreichere Messungen über einen längeren Zeitraum ist ein fest installiertes Strommessgerät jedoch nicht zu ersetzen.

2. Effizienz der Betriebstechnik

Die Effizienz der Betriebstechnik (DCIE - Data Center Infrastructure Efficiency) stellt den Anteil des Stromverbrauchs der IT-Hardware zum Gesamtenergieverbrauch des Rechenzentrums dar. Hierzu ist eine separate Erfassung der Stromverbräuche der eigentlichen IT-Hardware und des Gesamtenergieverbrauches des Rechenzetrums notwendig.

Der erreichbare DCIE-Wert ist u.a. abhängig von der Größe Ihres Rechenzentrums. Bei großen Rechenzentren sind DCIE-Werte von 60-65% erreichbar, in kleineren können auch über 75% möglich. Der Wert ist sehr gut zur Verfolgung und Dokumentation der erzielten Energieeffizienzsteigerung geeignet. Oft wird auch der PUE (Power Usage Effectiveness) verwendet. Hierbei handelt es sich um den Kehrwert des DCIE.

3. Wirkungsgrad der Stromversorgung

Den Wirkungsgrad ihrer USV und der einzelnen Gerätenetzteile können Sie dem Datenblättern entnehmen. Effiziente USV´s verfügen z.B. über einen Wirkungsgrad von bis zu 96%. Liegt Ihre Anlage bei 90%, können Sie durch den Austausch der Versorgung entsprechend 6% bei den Stromkosten Ihrer unterbrechungsfreien Stromversorgung einsparen.

4. Die Temperaturen im Rechenzentrum

Neben der IT-Hardware ist die Lüftung und Klimatisierung der größte Energieverbraucher im Rechenzentrum. Daher ist es wichtig, die Temperaturen und die Temperaturverteilung im Rechenzentrum genau zu kennen. 

Ermitteln Sie in einem ersten Schritt die Temperaturen der Zu- und Abluft. Erstere sollte 18 bis 20°C liegen, letztere bei 28° oder darüber. Die Differenz der beiden Werte sollte bei 10°C oder höher liegen.
Über mehrere Messsensoren können Sie die Temperaturverteilung in Ihrem Rechenzentrum ermitteln. Diese gibt Aufschluss über besonders warme Bereich im Rechenzentrum - sogenannte Hot-Spots. Da die Hot-Spots zu einer Schädigung der IT-Hardware führen können, sollte diese z.B. durch eine Veränderung der Luftführung im Rechenzentrum vermieden werden. Indem Sie den Kaltluftstrom gezielt an den Bereichen mit besonders hohen Temperaturen verstärken, können Sie die Hot-Spots von den temperaturkritischen Bereichen weg verlagern oder ganz beseitigen. 

5. Auslastung der Server

Die Serverauslastung liegt in vielen Rechenzentren bei gerade 5 bis 15%. Ein Großteil der installierten Rechenleistung wird nicht genutzt, wobei die Server trotzdem Strom verbrauchen.

Die Auslastung der Server können Sie über das Betriebssystem ermitteln. Ist diese sehr gering, gibt es u.a. die Möglichkeit einer Virtualisierung ihres Rechenzentrums. Hierbei werden einem realen Server durch Einsatz einer Software mehrere virtuelle Server zugeordnet. So kann die Auslastung der Server auf über 60% gesteigert werden. Die Zahl der benötigten Server und der Stromverbrauch sinken, was zu geringeren Strom- und Anschaffungskosten führt.